Dienstag, 1. März 2016

Bunte Haare, bunte Töne: 40 Jahre B-52s


Als die am schönsten klingenden Falschsängerinnen soll ein Kritiker Kate Pierson und Cindy Wilson - die weiblichen Mitglieder des Quartetts "The B-52s" - einmal bezeichnet haben. Nur ein Markenzeichen, das die Band im Lauf von vier Jahrzehnten neben ihren farbenprächtigen Frisuren und Inszenierungen auf hohem Niveau kultiviert hat. Darüber soll nicht hinwegtäuschen, dass hinter den betont lebensbejahenden Songs, der ausgelassenen Party-Stimmung und den originellen Arrangements virtuoses Können und ein hohes Maß an Professionalität stecken.



Von der College-Stadt Athens in Georgia zogen Fred Schneider (* 1. Juli 1951), Keith Strickland (* 26. Oktober 1953), Kate Pierson (* 27. April 1948) und das Geschwister-Pärchen Cindy (* 28. Februar 1957) und Ricky Wilson (* 19. März 1953) Ende der 1970er-Jahre Richtung New York los. Mit ihren liebenswürdig-eigenwilligen Songs trafen sie den musikalischen Nerv der Zeit und etablierten sich rasch als musikalischer Geheimtipp. Zu ihren Fans soll übrigens auch John Lennon gezählt haben, der sich von ihrem Song "Rock Lobster" musikalisch inspirieren ließ, heißt es.



Der Name der Band spielt auf die hochtoupierten Frisuren der Sängerinnen an, die an die spitz zulaufende Vorderfront der amerikanischen Bomber "B-52s" erinnerten. Dass gerade diese Band ausschließlich in friedlicher Mission unterwegs ist, um Menschen weltweit zu unterhalten, ist nur eine von mehreren kleinen ironischen Anspielungen, die sich in der künstlerischen Biografie der Band finden.



Das Gitarrenspiel von Keith, der harmonische Zweigesang von Kate und Cindy, die unterhaltsamen Sprechgesänge von Fred und die eingängigen Kompositionen der Band bilden die Grundlagen eines einmaligen Gesamtkunstwerks, das 1985 auf einen ersten Höhepunkt zusteuerte. Der überraschende Tod des damals erst 32-jährigen Ricky Wilson, der zu den ersten prominenteren Aids-Fällen zählte, führte zu einem totalen Rückzug der Mitglieder, die erst drei Jahre später wieder auf die Bühne zurückkehrten.



Mit dem Album "Cosmic Thing" und den Singles "Love Shack", "Channel Z", "Roam" und "Deadbeat Club" gaben sie 1989 ein unüberhörbares Lebenszeichen von sich, als ob sie nie weg gewesen waren. Stimmlich hatten sich die Sängerinnen enorm entwickelt, Keith Strickland lief als Musiker zu neuer Hochform auf. Damit empfahlen sie sich auch für musikalische Nebenprojekte. Kate Pierson lieferte an der Seite von Iggy Pop den Hit "Candy" ab und sorgte für die harmonische Zweitstimme auf R.E.M.'s Album "Out Of Time".



Nach weiteren Hits, vorübergehenden Auszeiten einzelner Mitglieder, Wiedervereinigungen und Comebacks blickt die Band 2016 auf 40 ebenso schillernde wie auch bewegende Jahre zurück und begeistert im Rahmen ihrer mitterweile seltener gewordenen Tourneen immer noch Millionen Fans weltweit, für die eine Party erst mit der Musik der B-52s zum wahren Fest wird.

Foto-Credit: Island Records